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ARCHIKON -Besser spät als nie: in einem beeindruckend großen Kongress haben Baden-Württembergs Architekten gestern der Nachhaltigkeit im Bau gehuldigt. Rund 1200 Teilnehmer haben in einer Veranstaltung, die man eigentlich im Jahre 2008 erwartet hätte, gestern gelobt, künftig stärker auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in den von ihnen geplanten Bauten zu achten. Der bundesweit größte Architekten-Kongress ARCHIKON ging am 1. März in Stuttgart über die Bühne.

„Klimaschutz fängt bei dir selber an". Wenn Sätze wie dieser vom Podium schallen, wird klar: Hier erlebt die Mehrheit einer Zunft einen Aufbruch, den sie bei ihren Vorreitern über Jahre belächelte. Wofür eine DGNB, die Passivhausszene und eine Handvoll politischer Aktivisten – wie etwa der auf der ARCHIKON begeisternde Keynote-Speaker, Ernst Ulrich von Weizsäcker – seit Jahren mit bescheidenem Erfolg eintreten, scheint in der Breite der Architekturszene angekommen zu sein. Endlich!

Volles Programm

Rund 70 Referentinnen und Referenten gaben im ICS Internationales Congresscenter Stuttgart ihren Blick auf Strategien der Nachhaltigkeit und die Zukunft des Berufsbildes wieder. Einig war man sich, dass Architekten und Stadtplanern eine Schlüsselrolle zukommt, auch und insbesondere dann, wenn scheinbar Widersprüchliches aufeinander trifft. Forderungen aus den Bereichen Bauphysik, Gestaltung, Funktion, städtebauliche Relevanz oder historischer Erhaltungswert - immer müsse es darum gehen, alle wichtigen Belange im Blick zu behalten, gegeneinander abzuwägen und zu einer individuell angepassten Lösung zu führen.

Weg von der Verbrauchsgesellschaft hin zu einer werterhaltenden, ist die Forderung von Markus Müller. Der Präsident der baden-württembergischen Architektenkammer beruft sich auf das erklärte Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2050 den klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Hintergrund ist, dass ein Viertel der Gesamtenergie in Deutschland für die Beheizung von Gebäuden verwendet wird. In der Pflicht sieht Müller dabei die gesamte Gesellschaft. In einem berufspolitischen Appell fordert er zusammen mit Martin Haas von der DGNB am Ende der Veranstaltung seine Kollegen auf, die Verantwortung anzunehmen, vorhandenes Wissen und Instrumente zu nutzen und Nachhaltigkeit und Baukultur in Einklang zu bringen. "Ab heute gibt es kein "ja, aber..." mehr!"

Begeisterung und Ernüchterung

Wie wenig viele Teilnehmer sich bislang mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt haben, wird in vielen Aussagen und Reaktionen auf Statements klar: Als Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Baden-Württembergischen Umweltministerium beklagt, dass im Koalitionsvertrag der GroKo Energieeffizienz im Neubau zurückgedreht wird, scheinen das nur Wenige zu verstehen; nur ein paar Hände spenden müden Applaus. Klaus Wehrle, Landesvorstand der Architektenkammer Baden-Württemberg lässt sich anschließend gar zu der Kommentierung hinreißen, Architekten bräuchten kein Ordnungsrecht, sie seien schließlich innovativ. Einzig Michael Kopatz vom Wuppertal Institut, der als bunter Vogel in Talkshow-Manier sein Buch anpreist, scheint gelernt zu haben, dass Bauherren nur das umsetzen, was von ihnen verlangt wird: „Um das Verhalten zu ändern, muss man die Verhältnisse ändern."

Dass die Umsetzung von energieeffizientem und nachhaltigem Bauen zu endlosen Kostendiskussionen führt, wird auf der ARCHIKON weggewischt: Man muss das dem Bauherrn einfach erklären, dann gibt er gerne mehr aus – so der Tenor des Tages. Die Ernüchterung nach dem Aufbruch steht der breiten Masse an Architekten (nicht nur in Baden-Württemberg) wohl noch bevor.

Aber Ernüchterung und Begeisterung sind zwei Seiten derselben Medaille. In diesem Monat begehen die Passivisten unter den Architekten ihre Passivhaustagung im 22. Jahr. Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat 2018 zum Aufbruch in eine nachhaltige Baukultur geblasen und ist damit sogar innovativer als die meisten Schwesterkammern im Bundesgebiet. So soll denn nicht das Lamento über die späte Erkenntnis im Vordergrund stehen, sondern die Freude darüber, dass endlich alle im Boot sind. Jetzt gilt es, gemeinsam Rückgrat zu zeigen und der Politik, den Bauherren, den Baufinanzierern und den Herstellen zu erklären, dass nachhaltiges Bauen keine Option sondern Verpflichtung ist.

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